Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Oder: So entkommen sie der Stressfalle!

Abschalten – na klar! Ein paar Wochen im Jahr…! Aber oft ist ja  nach ein paar Tagen zurück im Job der Erholungswert verpufft und man handelt nach den alten, gewohnten Mustern. Will ich wirklich wieder ins „Hamsterrad“? Oder? Gibt es Chance, auch den Berufsalltag so zu gestalten, dass ich nicht in die Stressfalle gehe? Gerade vor der Ferienzeit ist genau der richtige Moment um den Wiedereinstieg nach dem Urlaub zu bedenken. Jetzt besteht die Möglichkeit etwas zu verändern. Nicht zuerst bei den Umständen, sondern bei sich selbst: Nicht nur funktionieren – nicht nur überleben – Leben! Auch nach dem Urlaub!

Zwischenablage01Buchempfehlung: Das Buch zeigt Wege auf wie genau das in den Bereich des Möglichen rückt.
Kreativität und Vitaltität entfalten inmitten all der Herausforderungen, die das Leben täglich neu an uns stellt. Pauline Skeates ist Therapeutin und die Direktorin von Insight Counselling Services in Auckland, Neuseeland. Einen großen Teil des Jahres reist sie und unterrichtet Seelsorger, Therapeuten, Berater und Menschen in sozialen Berufen in dem von ihr entwickelten Ansatz Insight Focused Therapy. Ebenso ist sie die Leiterin von Insight-International.
Sandy Fabrin arbeitet bei Insight Counselling Services. Sie ist die Repräsentantin von Insight-International im südpazifischen Raum und Managerin der Insight-International Schule in Spanien.

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The Power of Focus: „energy flows where attention goes.“

„Es reicht nicht, ich habe es dir gleich gesagt!“ Zu wenig, zu hässlich, zu spät, zu dumm, zu langsam,  usw. . Wer kennt diese äusseren und inneren Kritiker nicht? Wenn Kritik nicht von unseren Mitmenschen kommt, machen wir uns oft selbst fertig. Und natürlich stehen wir von klein auf im Wettbewerb! Wer etwas anderes behauptet, steht in der Gefahr als Romantiker beschimpft zu werden, der den Blick für die Realitäten des Lebens verloren hat. Aber eben gerade dies passiert ja in dem Moment, wenn ich in die Falle des Mangeldenkens tappe. Meine Wahrnehmung wird auf das fokussiert, man könnte sagen verkrümmt, und bildet nicht mehr die ganze Realität ab. Es kommt dazu, dass es nur noch darum geht, Fehler zu vermeiden und nach Sicherheiten zu suchen. Es wird nichts mehr gewagt. Letztlich wird der Wettbewerb nicht mehr angenommen, geschweige denn gesucht.

In einem Coachinggespräch mit einem jungen Mann, stelle ich ihm die Frage: „Wann sind Sie eigentlich das letzte mal gelobt worden?“ Er schaut mich ganz entsetzt an und sagt: „Hören Sie bloss auf, meine Mutter hat mich heute Morgen verflucht“.

Wie denken wir eigentlich über andere, unsere Ehepartner, Kinder, Eltern, Kollegen, Vorgesetzten, Mitarbeiter,…Politiker. An vielen Stellen herrscht ein Denken und eine Sprache, die den anderen verdammt, verflucht oder richtet. In den Kantinen wird gejammert, gelästert und geflucht. Man gönnt dem anderen noch nicht mal den kleinsten Erfolg.

Beim Blick auf sich selbst geht das gleiche Spielchen ab. Manche nennen das dann das Streben nach „Excellence“. Die eigenen, inneren Antreiber können aber auch das Leben zur Hölle machen. Was rauskommt sind Menschen, Familien und Betriebe in denen das pure Mangeldenken regiert. Defizite werden fokussiert und kritisiert. Manche brechen unter dem oft selbst gemachten Druck zusammen, Abteilungen verlieren in dieser Athmosphäre ihre Produktivität und ganze Betriebe ihre Innovationskraft.

Produktivität, Innovationskraft und Vitalität fallen aber auch nicht einfach vom Himmel. Manche Kritik wirkt eben wie ein „Fluch“, der blockiert und die Luft zum Atmen nimmt, denn „energy flows where attention goes.“

„Im Danken kommt Neues ins Leben“! Diesen Satz habe ich vor vielen Jahren in einer sehr herausfordernden Situation von einem meiner Mentoren gehört. Und je länger je mehr bin ich davon überzeugt, dass es wirklich stimmt. Für viele verfahrene Situationen steckt in diesem Satz ein erster Schritt zur Lösung! Bitterkeit, Selbstmitleid oder auch dieses atemlose Getriebensein verlieren an Macht, wenn sich unsere Wahrnehmung weitet. Manchmal brauchen wir dazu ein Gegenüber, das uns „den Kopf wieder gerade setzt“. Motive und Einstellungen werden offensichtlich, wenn man gesagt bekommt, wie man wirkt. Wir sind die eigenen „Antreiber im Hamsterrad“ ohne Richtung und Ziel.

Es reicht! Also raus aus dem Hamsterrad! Hier nun die Richtung und das Ziel für die nächste Woche: Ich nehme mir jeden Tag 5 Minuten Zeit und schreibe mir auf, wofür ich dankbar bin – ohne Zensur. Was habe ich gut gemacht? Was ist mir gelungen? Was habe ich mir gegönnt?

Zum Einstieg, um in einen anderen Modus zu kommen, hilft vielleicht der folgende Film:

„The clearest way into the universe is through a forest wilderness“ John Muir

John Muir (21. April 1838 in Dunbar, Schottland; † 24. Dezember 1914 in Los Angeles, Kalifornien) konnte aus Erfahrung sagen, dass die Wildnis uns einen besonderen Zugang zum „Verständnis des Universums“ geben kann. Es steckt mehr als ein romantisch-idealistisches Verhältnis zur Natur dahinter. Die Wildniss setzt uns in Kontrast zu allem Konstruiertem. Sie reisst uns heraus aus der ständigen Verfügbarkeit, dem Diktat des Machbaren und gibt uns den Zugang zur „raw essence of life“. In Anknüpfung zum letzten Post hier nun ein Beispiel eines „Digitalen Menschen“, der sich den Luxus der Einfachheit gönnt und die Grenzerfahrung als inspirierendes Erlebnis nutzt.

WALKING THE LENGTH OF NEW ZEALAND

Naresh Kumar arbeitet im Silicon Valley. Als IT-Spezialist weiss er, was es bedeutet, grenzenlos, ständig und überall online – connected – zu sein.

2010 hat er trail running – querfeldein laufen – für sich als Leidenschaft entdeckt und schon viele Langstrecken zurückgelegt. Dabei bewegt er sich in der Natur, ohne jede Möglichkeit online zu kommunizieren. Nun hat er es gewagt, den legendären Te Araroa Pfad durch Neuseeland zu gehen und zu laufen und zwar in Bedrock SandalsAuf der Seite der Outdoor Marke Huckberry ist ein inspirierendes Interview mit beeindruckenden Bildern zu lesen, das einige Gedanken aus dem letzten Post (Luxus der Einfachheit) aufgreift, .

Ausserdem ist hier ein interresanter Filmbeitrag über ihn:

Luxus der Einfachheit: Lebensentwürfe jenseits der Norm

Diese Neuerscheinung im Kehrer Verlag beschäftigt sich mit der Notwendigkeit der Einfachheit und Klarheit in unseren Lebensentwürfen. Die Bilder waren in einer Ausstellung bis Februar im Müncher Stadtmuseum zu sehen. Nun kann man sie in einem Bildband betrachten. Aus dem Text des Verlags zur Vorstellung der Neuerscheinung:

247-9783868285246Die Möglichkeiten des Individuums, sein Leben selbst zu gestalten,waren noch nie so vielfältig wie heute. Zugleich wird der moderne Mensch nicht zuletzt durch die Zwänge der Globalisierung dazu gedrängt, möglichst flexibel, effizient, innovativ und eigenverantwortlich zu sein und zu handeln. Was dem Einzelnen neue Freiheiten bringen mag, führt allzu oft auch zu einer Selbstverausgabung mit den bekannten physischen wie psychischen Folgen. Die bei vielen Menschen zu beobachtende Sehnsucht nach Überschaubarkeit und einfacheren Strukturen drückt sich mittlerweile in den verschiedensten Lebensbereichen von der Mode über die Architektur bis hin zu Ernährungsweisen und Reiseverhalten aus.

Die Herausforderungen der Multioptionsgesellschaft führen bei manchen zu Rückzug und Ablehnung der Dynamik und Komplexität des Lebens. Aber geht es wirklich nur um „Ausstieg“?

Kann es sein, dass wir an manchen Stellen die Früchte geniessen wollen: Freiheit, Sicherheit, Beziehung, Wohlstand, Erfolg, Innovation, Gesundheit, Frieden,…, aber uns weigern den Baum und seine gewachsenen Wurzeln zu pflegen, der diese hervorbringt. Alles Instant? Wir tun oft so, als ob mit uns die Familien-, Firmen- und Kulturgeschichte anfängt und alles Vorangegangene „dekonstruierbar“ wäre. Aber ohne die tragenden Strukturen des Stammes und den gewachsenen Wurzeln vertrocknen die so begehrten und lebenswichtigen Früchte!

Was sind unsere Wurzeln? Woher beziehen wir die Kraft zum Wachstum. Warum erscheint unsere Lebensweise oft so kraftlos, ausgebrannt und bringt kaum noch Frucht. Warum reifen wir in manchen Lebensbereichen nur sehr langsam und kämpfen immer wieder mit den gleichen destruktiven Lebensmustern? Warum „gedeihen und wachsen“ unsere Betriebe und Unternehmungen nicht in dem Mass, wie es möglich wäre?

Es geht z.B. nicht nur darum, die Fehler der  Vergangenheit zu vermeiden (was sowieso schwierig ist), sondern eher die Kraft, den „Segen“ und die Stabilität vorangegangener Generationen zu nutzen. Wir sind doch keine Waisen. Wir haben Ressourcen, die noch ungenutzt bleiben. „Don`t spit on your roots!“

Wir haben an manchen Stellen ein „beleidigtes Verhältnis“ zur Realtität und versuchen unsere Enttäuschung mit dem „Zuviel“ der westlichen Überflussgesellschaft“ zu betäuben und wundern uns, wenn im persönlichen Leben, den Ehen, den Familien und den Betrieben die Vitalität fehlt. Wir brauchen die „Stunden der Wahrheit“, in denen wir uns dem Leben stellen.

Einfachheit und Klarheit sind eben nicht nur Luxus, der auf die Dauer auch langweilt, sondern Voraussetzungen, um die „Dynaxity“ unseres Lebens mit Vitalität und Wachstum zu gestalten. Wir haben die Ressourcen und Fähigkeiten, die entdeckt, genutzt, trainiert und aufgebaut werden müssen.

The Power of Attention – Ungeteilte Aufmerksamkeit

Man sitzt morgens in der U-Bahn oder dem Bus, keiner spricht, man hört gedämpfte Geräusche aus dem Kopfhörer des Nachbarn und sieht die vielen Gesichter, die hell erleuchtet das Display eines Smartphones wiederspiegeln. Die neusten Nachrichten, Zahlen, Daten und Fakten erreichen uns im Minutentakt. Ständige Erreichbarkeit und das Gefühl der Abhängigkeit von Kommunikationsnetzen. Unterhaltung in allen Dimensionen begleitet uns vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wenn es denn geht. Komplexität wäre ja noch handlebar, aber Dynaxity, im Highspeed zu managende, komplexe Führungsprozesse, fordern uns heraus. Manche allerdings merken garnicht mehr wie das Leben an ihnen vorbei rauscht. Sie versinken im Meer der Nebensächlichkeiten bis auch das wirklich wichtige eingeebnet ist in der Bedeutungslosigkeit der Multioptionsgesellschaft. Was stresst uns eigentlich wirklich? Die Reizüberflutung! Wahrnehmungseinschränkung wäre ein Lösungsansatz. Eine Führungskraft eines grossen Mittelständlers sagte mir einmal: „Wenn ich mal einen Burnout haben sollte, bringt mich in die Wüste!“

Diese „Wüstenerfahrung“ kann aber auch viel mehr sein als die Ultima Ratio im Worstcase. Paradoxer Weise ist sie für viele zu einer Quelle der Vitalität und Kreativität geworden. Der Leiter der Personalentwicklung eines grossen deutschen Automobilkonzerns vertraute mir an, dass er mit seinem Topmanagement Achtsamkeitsseminare durchführt. Gestern noch in Shanghai, heute im Vorstand, morgen in den USA… . Von einem Meeting ins andere, Zuhause haben die Kinder Masern und die Schwiegermutter kommt am Wochenende. Wie hat eigentlich Bayern gespielt? Dazwischen werden millionenschwere strategische Entscheidungen getroffen in einem Wettbewerb, der keine Gnade kennt.

Ungeteilte Aufmersamkeit ist also ein existenziell wichtiges Gut und eben kein seltener Luxus!

Laurence Freeman lehrt über die Fähigkeit wirklich präsent zu sein.